Warum heißen die Figuren beim Schach König und Königin?

Diese Frage stellt Daniel an Steffen Bogen. Steffen Bogen ist Professor für Kunstwissenschaft und Kunstgeschichte an der Universität Konstanz und hat selbst schon eigene Spiele entwickelt.
© Dani Adkins, Unsplash

Lieber Daniel,

vielen Dank für deine spannende Frage! Wusstest du, dass das Schachspiel schon vor 1500 Jahren in Persien gespielt wurde? Erst im Mittelalter brachten die Araber es nach Europa. Damals hieß die Figur neben dem König noch Berater, nicht Dame, und durfte auch nur ein bis zwei Schritte pro Zug gehen.

In einem berühmten Spielebuch von 1280 wurden diese Regeln in Spanien aufgezeichnet. Zu der Zeit war Schach ein Spiel, das den militärischen Konflikt darstellte, mit soldatischem Fußvolk statt Bauern und Reitern statt Springern. Das deutet auf seine Ursprünge als Spiel für militärische Strategen hin.

Was Schach mit der Politik zu tun hat

Auf seiner Wanderung durch Europa wurde es zu einem Spiel, in dem zwei Höfe einander gegenüberstehen. Erstmals in Spanien tritt eine Dame – oder Königin – an der Seite des Königs auf. Zum spätmittelalterlichen Hof, zur Adelsfamilie, gehörte die starke Dame. Das Schachspiel spiegelt also das damalige Herrschaftssystem wider, ein höfisches Ständesystem, an dessen Spitze das Herrschaftspaar steht.

Schach war damals übrigens ein Spiel für die Gebildeten, das am Hofe gespielt wurde, nicht von jedermann. Es galt als eine angesehene Tätigkeit und gehörte zur Ausbildung von Adligen. Nicht nur die männlichen Adligen, auch höfische Damen spielten Schach.

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Wie sich die Regeln im 15. Jahrhundert änderten

Dank neuer Zugregeln, die wir in einem Buch aus dem 15. Jahrhundert nachlesen können, konnte die Dame mittlerweile vielseitig und weit über das Spielfeld ziehen. Damit wird das Spiel auch schneller und dynamischer.

Im Schachspiel zeigte sich also auch eine Aufwertung der adeligen Dame, die im Rahmen der Familienpolitik eine entscheidende Rolle spielte. Indem sie dem männlichen Thronfolger das Leben schenkte, sorgte sie nämlich dafür, dass die Herrschaft in der Familie blieb.

Ich hoffe, dass dir meine Antwort weiterhilft.

Viele Grüße,
Dein Steffen

Steffen Bogen ist Professor für Kunstwissenschaft und Kunstgeschichte an der Universität Konstanz. Zugleich hat er sich als Spieleautor einen Namen gemacht, etwa von Camel Cup, Schnappt Hubi! oder jüngst Campus Galli.


 

Von Universität Konstanz, Hochschule Konstanz (HTWG) und karla Magazin

Von Von Universität Konstanz, Hochschule Konstanz (HTWG) und karla Magazin - 05.02.2026