Woher wissen wir, dass Dinosaurier so klingen, wie sie in Filmen klingen?

... fragt sich die Lerngruppe der Gebhardschule. Darauf antwortet Manuel Schaub. Er arbeitet und lehrt im Medienlabor der Universität Konstanz.
© Eric R., unplash

Liebe Lerngruppe der Gebhardschule,

Dinosaurier sind seit vielen Millionen Jahren ausgestorben. Was wir heute noch von ihnen finden, sind versteinerte Skelette. Geräusche erzeugen Lebewesen aber mit Teilen des Körpers, die nicht zum Skelett gehören: den Stimmbändern zum Beispiel. Je nachdem, wie der Körper um das Skelett aufgebaut ist, klingt ein Tier auch anders. Deshalb bellt ein kleiner Hund zum Beispiel eher in hohen Tönen. Ein sehr großer Hund klingt dafür dunkel und tief.

Forschende, die sich damit beschäftigen, wie Dinosaurier damals ausgesehen und gelebt haben, können aus dieser Erfahrung heraus vermuten, wie sie geklungen haben müssen. Je größer das Tier, desto tiefer und dunkler das Geräusch, das sie gemacht haben. Ganz sicher weiß es aber niemand

Die geheimnisvolle Arbeit der Geräuschemacher

Die Menschen, die unter anderem Dinosauriern in Filmen eine Stimme verleihen, heißen „Foley Artists“. Der etwas schwer auszusprechende Name kommt aus der englischen Sprache. Auf Deutsch heißen sie schlicht „Geräuschemacher“. Und sie müssen immer kräftig ihre Fantasie spielen lassen, um Geräusche im Film mit realen Mitteln nachzustellen.

Sie halten ihre Mikrofone testweise an alles, was ein Geräusch macht und vielleicht ähnlich klingen könnte. Dabei werden sie manchmal an sehr überraschenden Stellen fündig. Das Trappeln von Pferdehufen entstand zum Beispiel früher oft durch das rhythmische Aneinanderschlagen von Kokosnuss-Schalen.

Für ein Geräusch, dass sie noch nie nachgestellt haben, gehen Geräuschemacher lange auf die Suche nach etwas, das ähnlich klingen könnte. Besonders schwierig wird es, wenn noch niemand zuvor das Geräusch gehört hat

Warum Dinos am Anfang klangen wie Tiger

Das erste Mal ist ein Dinosaurier vor gut 90 Jahren in einem Film aufgetaucht. Damals nutzten die Geräuschemacher die Laute von Pumas und Tigern, die sich leicht verändert haben. Hört man genau hin, kann man die Dinosaurier in dem Film sogar fauchen hören. In späteren Filmen kamen verschiedene andere Dinosaurierarten hinzu und jede bekam eine eigene Stimme.

Die Geräuschemacher nutzten dafür so ungewöhnliche Klänge wie das Knurren eines kleinen Hundes, das kurze Schnappen einer Schildkröte oder sogar das Grummeln eines kleinen Baby-Elefanten.

Schick uns deine Frage!

Du bist jünger als 19 Jahre, lebst in oder rund um Konstanz und hast eine Frage an eine Wissenschaftlerin oder einen Wissenschaftler? Immer her damit! Schicke einfach eine E-Mail an redaktion@karla-magazin.de mit der Betreffzeile „Meine gute Frage“. Eine Auswahl der Fragen wird im Familiennewsletter vom karla Magazin, hier auf campus.kn sowie auf der Website der HTWG veröffentlicht.

Wie man die Geräusche am Computer verändert

Am Computer werden die aufgenommenen Geräusche noch verändert. Man kann sie schneller abspielen oder langsamer. Manchmal klingen sie sogar erst rückwärts abgespielt genau nach dem, was die Geräuschemacher suchen. Nach langem Probieren und Verändern wird dann aus dem Grummeln eines Baby-Elefanten das Grollen eines großen Dinosauriers im Film, das so klingt, wie die Dinosaurier-Forschenden es sich vorstellen würden. 

Wenn du das nächste Mal einen Dinosaurier in einem Film hörst, dann schließe einfach mal deine Augen, lausche ganz genau – und wer weiß, vielleicht hörst du dann Nachbars Dackel heraus.

© Alexas_Fotos, pixabay

Nachbars Dackel :-)

Viele Grüße
Euer Manuel

Manuel Schaub arbeitet und lehrt im Medienlabor der Universität Konstanz. Dort bringt er Studierenden unter anderem bei, wie man Kurzfilme dreht und Hörspiele aufnimmt. Besonders interessiert er sich für alles, was man hören kann.


 

Universität Konstanz, Hochschule Konstanz (HTWG) und karla Magazin

Von Universität Konstanz, Hochschule Konstanz (HTWG) und karla Magazin - 19.06.2026

Verwandte Artikel: 

Please read this article in German.
© Canva Photo Stock
Warum juckt ein Mückenstich? Können wir leben, ohne Gemüse zu essen? Werden Roboter uns irgendwann ersetzen?