Legales Übernachten mitten in der Natur

MyCabin, ein Startup der Universität Konstanz, bereitet sich auf die Zeit vor, wenn Reisen wieder möglich ist – Die Online-Plattform vermittelt nachhaltiges Reisen in die Natur.

© MyCabin

Reisen sollte angesichts steigender Corona-Infektionszahlen derzeit vermieden werden. Insofern passt es, dass MyCabin die Pilotphase zum 25. Oktober abgeschlossen hat. Nun bereitet sich das Startup der Universität Konstanz auf die Zeit danach vor: Wenn es wieder guten Gewissens möglich sein wird zu reisen. Ohnehin vermittelt "MyCabin" eine Form des Reisens, die zukunftsträchtig ist. Die Plattform, die ähnlich wie Airbnb funktioniert, stellt Kontakt her zwischen Haus- und Grundbesitzenden von naturnahen Übernachtungsplätzen einerseits und Menschen, die mit Rucksack, Zelt oder Camper unterwegs sind andererseits.
Neben einem finanziellen Grundstock möchte das Startup über eine Crowdfunding-Kampagne auch seine Nutzergruppe erweitern: „Uns geht es um die Gemeinschaft, wir wollen möglichst viele Menschen erreichen“, sagt Maximilian Schätzle, der das Startup 2019 gemeinsam mit Finn Wilkesmann in die Wege geleitet hat. Da waren sie noch als Studierende an der Universität Konstanz eingeschrieben, Maximilian Schätzle für Biologie und Sport, Finn Wilkesmann für Wirtschaftswissenschaft und Sport.

Gefördert vom „Junge Innovatoren“-Programm
Inzwischen sind sie Bachelor-Absolventen und werden vom „Junge Innovatoren“-Programm des baden-württembergischen Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst (MWK) gefördert. Ein Jahr lang haben beide nun je eine durch das Programm finanzierte halbe Stelle an der Universität Konstanz. Mit dabei sind außerdem die Mitgründerinnen und -gründer Michael Hendlich, Sophia Hummler und Lene Haas neben ihrem Studium sowie erste festangestellte Mitarbeitende des Strartups.

Nachhaltig und minimalistisch ist das Übernachten mit MyCabin und soll damit den Trends entgegenwirken, die den spontanen Ausflug in die Natur immer aufwändiger machen. Hütten und Campingplätze werden immer komfortabler und entsprechen nur noch bedingt den Bedürfnissen nach Minimalismus und Naturnähe, die viele Reisende suchen.

„Da haben wir uns gedacht: Um mit Rucksack und Zelt unterwegs zu sein, brauchen wir eigentlich nur ein kleines Plätzchen, auf dem wir es aufstellen dürfen.“

- Maximilian Schätzle

Um das zu überprüfen, sind die beiden Outdoor-Fans in die Berge gefahren, haben an Türen geklingelt und nachgefragt, ob sie auf dem Gelände der zumeist Bauern- oder Biobetriebe übernachten dürfen. Die Resonanz war durchweg positiv und hat die beiden Gründer in ihrer Idee mehr als bestätigt.

Hohe Nachfrage und übertroffene Erwartungen
Mehr als 4.000 Nutzerinnen und Nutzer haben sich bereits während der von Juli bis Oktober andauernden Pilotphase auf der Plattform registriert, um unabhängig und naturnah zu reisen. MyCabin ermöglichte gemeinsam mit dem bisherigen Gastgebernetzwerk in dieser Zeit bereits über 1.200 Übernachtungen in der Natur.

„Die hohe Nachfrage ist neben dem Boom des Binnentourismus und kontaktfreien Campings unter anderem auch auf langfristige Reise-Trends wie Regionalität, Nachhaltigkeit, Minimalismus und Unabhängigkeit zurückzuführen.“

- Finn Wilkesmann

Die Zahlen der Pilotphase und die Erfahrungsberichte der Reisenden sowie Gastgeberinnen und Gastgeber übertreffen die Erwartungen der beiden Gründer bei weitem.

Interessierte werden mit Ende der Testphase auf eine Landingpage weitergeleitet, die in einem Rückblick über die Pilotphase informiert und in einem Ausblick auf das bis zum 10. Dezember mögliche Crowdfunding aufmerksam macht. „Wie es im Moment aussieht, werden wir im März 2021 die neue Website veröffentlichen und mit MyCabin in die Vollen gehen“, kündigt Maximilian Schätzle an. „Dann wird es eine vollumfänglich funktionierende Plattform, eine zusätzliche mobile App sowie weitere nützliche Funktionen wie Routenplanungstools geben, um eine möglichst ansprechende und nutzerfreundliche Lösung zu schaffen.“ Die Entwicklung will das Team durch die Crowdfunding-Kampagne finanzieren. Als „Dankeschön“ für die Unterstützerinnen und Unterstützer der Kampagne wird es nachhaltig produzierte Produkte aus dem Outdoor-Bereich geben sowie Frühbucher-Optionen für den Launch der neuen Plattform im Frühjahr 2021. 

Keine unberührte Natur wird gestört
Neben der „Junge Innovatoren“-Förderung konnten die Gründer auch bei einigen Pitch-Veranstaltungen überzeugen, weshalb sie zuversichtlich in die Zukunft schauen: „MyCabin ist das, was wir machen wollen. Bei uns allen steckt viel Energie und Herzblut dahinter“, sagt Maximilian Schätzle. Die jungen Gründer sind hundertprozentig von ihrer Sache überzeugt. Nicht nur, dass sie es selbst lieber einfach haben, wenn sie nach draußen gehen. Durch die Reisen über MyCabin wird zudem keine unberührte Natur gestört, und es werden ausschließlich bereits bestehende Ressourcen genutzt. Außerdem wird durch die Möglichkeit, sein Zelt auf einer gemähten Wiese aufzustellen oder seinen Schlafsack in einem Heustadl oder Holzwagen auszurollen, vermutlich das eine oder andere Wildcampen in Naturschutzgebieten auf legale Bahnen umgeleitet. Und noch einen Vorteil hat der Naturtrip mit MyCabin: Niemand muss damit rechnen, morgens um sechs unsanft von einem erbosten Bauern geweckt zu werden.

MyCabin – share & explore – Crowdfunding

https://vimeo.com/473581956

Dr. Maria Schorpp

Von Dr. Maria Schorpp - 25.11.2020